Aus Konrad Lorenz „Die Todsünden der zivilisierten Menschheit“ (1973):
„… Schönheit der Natur und Schönheit der menschengeschaffenen kulturellen Umgebung sind offensichtlich beide nötig, um den Menschen geistig und seelisch gesund zu erhalten. Die totale
Seelenblindheit für alles Schöne, die heute allenthalben so rapide um sich greift, ist eine Geisteskrankheit, die schon deshalb ernst genommen werden muß, weil sie mit einer Unempfindlichkeit
gegen das ethisch verwerfliche einhergeht.
Bei denen, die darüber zu entscheiden haben, ob eine Straße, ein Kraftwerk oder eine Fabrik gebaut wird, wodurch die Schönheit eines ganzen, weiten Landstrichs für immer zerstört wird, spielen
ästhetische Erwägungen überhaupt keine Rolle. Vom Gemeinderatsvorsteher einer kleinen Ortschaft bis zum Wirtschaftsminister eines großen Staates besteht völlige Einheit der Meinung darüber, daß
der Naturschönheit keine wirtschaftlichen – oder gar – politischen Opfer gebracht werden dürfen. Die wenigen Naturschützer und Wissenschaftler, die offene Augen für das hereinbrechende Unglück
haben, sind völlig machtlos. Eine der Gemeinde gehörige Parzelle oben am Waldrand erhalten, erhöht den Verkaufswert, wenn eine Straße zu ihnen führt, …“